SANGIOVESE – DER DÜNNHÄUTIGE REVOLUZZER DUELLIERT SICH AUF MUSCHELKALK: MIT CABERNET SAUVIGNON UND MERLOT

Der Sangiovese ist traditionell ein dünnhäutiger Geselle. Was also tun auf über 600m Höhe im Borgo la Stella Bereich?

Die gepflanzten Rebsorten entsprechen dem Grundsatz der beiden Winzer Oscar Geyer und Sohn Christian-Oscar Geyer. Von Beginn an war es ihr Ziel, die Weinbautraditionen der Region Chianti Classico strikt zu wahren und gleichzeitig in kontrolliertem Maße Raum für Innovation zu lassen. Aufgrund dieser Einstellung bevorzugt das Weingut Borgo la Stella die Rebsorte Sangiovese beim Anbau. Die ampelografische Auswahl wird aber systematisch durch Merlot und Cabernet Sauvignon vervollständigt. Aktuell erstreckt sich die genutzte Anbaufläche auf über etwa 4,5 ha.

Rückblick: Viele Winzer wollten sich in den Boomzeiten der vergangenen zwanzig Jahre bekanntlich nicht mehr allein auf den arbeitsintensiven Sangiovese verlassen. Denn Sangiovese ist traditionelle ein dünnhäutiger Geselle. Diese Traube zeigt sich außerordentlich empfindlich gegenüber den in der Toskana üblichen ruppigen Wetterwechseln. Der Sangiovese fürchtet den Regen des Frühlings und des Spätherbst. Sturm und Hagel lässt die empfindliche, durchlässige Beerenhaut leicht platzen. Und somit wird das Wetter im September für die Sangiovese-Ernte schicksalhaft.

Reben wie Cabernet Sauvignon und Merlot dagegen sind robuster, international in Mode und gut verkäuflich.

Was also tun auf über 600m Höhe im Borgo la Stella Bereich? Können wir, wollen wir die Risiken mit schwierigen Witterungsbedingungen und zusätzlich mit einer empfindlichen, dünnhäutigen Traube eingehen? Welche Rolle sollen dann Cabernet und Merlot spielen? Welches Duell zeichnet sich ab?

Um es vorweg zu nehmen: Borgo la Stella setzt auf seinen unvergleichbaren Muschelkalk-Boden. Hier hat der Sangiovese grundsätzlich den Lead und lädt Cabernet Sauvignon und Merlot zum Kräftemessen ein. Die Weinmacher im Borgo la Stella lassen es nicht zu, dass der Chianti Classico in einem Meer fruchtig-weicher Cabernets und Merlots untergeht. Vielmehr haben die Trauben aus der „Fremde“ die Aufgabe, unsere Sangiovese-Weine mit neuen Freiheiten zu bereichern, jedoch jederzeit die Eleganz des Chianti-Charakters zu unterstreichen.