LUXUS PUR: CHIANTI CLASSICO UND IGT AUS EINEM TERROIR

Manchmal muss man Geschichte nachzeichnen, um den Luxus der Co-Existenz von Chianti Classico´s und den IGT´s zu verstehen.



„Der Anfang des heute definierten Chianti liegt etwa 150 Jahre zurück“ – so beschreibt es Steffen Maus in seinem 2013 in 2. Auflage erschienen, empfehlenswerten Buch ,Italiens Weinwelten’. „Seinerzeit wurde der lokale Wein hauptsächlich aus Sangiovese-Trauben gekeltert“. Der spätere Ministerpräsident der Toskana, Baron Bettino Ricasoli, experimentierte auf seinem Castello di Brioli südlich von Gaiole so lange mit Rebsorten, bis er 1872 zu dem Schluss kam, dass Chianti fortan zu vier Fünfteln aus dem „Blut des Jupiter“ bestehen müsse. Auf diesen Namen hatten die antiken Römer den Sangiovese getauft.

Diese Regel war für die meisten Weinbauern erst mal tauglich. Dennoch hielten sich nicht alle Winzer daran und machten mit fragwürdigen Traubenmischungen unter dem „Marken“-Namen Chianti gute Geschäfte.

Dies nervte Anfang des 20. Jahrhunderts zunehmend die ehrlichen Weinmacher der Region. Am 14.5.1924 traf sich sodann eine Gruppe von Chianti-Winzern in Radda und gründeten ein Konsortium, daß die eigene Produktion vor der Konkurrenz schützen sollte. Als Logo wählte man schließlich einen schwarzen Hahn – den Gallo Nero.

Denn der Gallo Nero besaß schon zu dieser Zeit eine gern erzählte Legende, nach der die Städte Florenz und Siena im 13. Jahrhundert wieder mal einen ihrer vielen Grenzstreits ausfochten: An einem bestimmten Tag sollten beide Städte einen Reiter beim ersten Hahnenschrei losschicken. Der Punkt, an dem sie sich treffen, sollte den neuen Grenzpunkt festlegen. Die Florentiner schafften es, mit Schlaf-, Nahrungs- und Wasserentzug ihren Hahn zu stressen. Es wachte extrem früh auf und krähte hysterisch in aller Hergottsfrühe in die Nacht. Aus dem Zeitvorsprung machte der Florentiner Reiter natürlich einen riesigen Landgewinn.

Den zeitgenössischen Streit zwischen den annähernd „reinsortigen“ Chianti Classico´s und den von Merlot und Cabernet Sauvignon geprägten Super Tuscans haben wir alle erlebt. Weine aus internationalen Sorten, die mit großem Aufwand im Weinberg und mit noch mehr Kellertechnik gemacht wurden, haben ausgelotet, was hinsichtlich Komplexität und internationalem Einheitsgeschmack auf Spitzenniveau möglich ist.

Doch inzwischen dreht sich der Wind. Die Eleganz und Tiefe des Chianti Classico ist seit einigen Jahren wieder gefragt. Die Supertoskaner sind als Episode eingeordnet, teils abgehakt. Wir sind wieder bei Charakter und bei geschliffener Terroiraromatik angelangt, zurück gekommen. Wir halten inne und genießen und schmecken tief hinein, was mal war und was heute wieder Bestand hat und was konsequent weiter entwickelt wird. Zum Beispiel ohne Kompromisse bei Borgo la Stella.

Die schwarzen Streithähne waren gestern. Heute erkennen wir an, dass unterschiedliche Stile aus einem Terroir höchster Güte nebeneinander existieren können und sollen. Der Sangiovese-Charakter gibt zwischen Castellina und Radda wieder den Ton an. Auch wenn er als Chianti Classico zehn Prozent andere Rebsorten aufnimmt.

Und ein bisschen strukturierenden Cabernet Sauvignon und etwas molligen Merlot haben wir in den IGT´s  a la Borgo la Stella inzwischen ungemein schätzen gelernt.

Im Gegenteil: Unsere IGT´s unterstreichen unsere Überzeugung: mit Finesse und Eleganz den Sangiovese streicheln – aber nicht manipulieren wollen.